3. Partizipation in der Arbeitswelt

3.1 Betriebliche Mitbestimmung

Merke:

Der Betriebsrat ist ein Zusammenschluss von Arbeitnehmern, der die Interessen der Arbeitnehmer in einem Betrieb gegenüber dem Arbeitgeber vertritt.

Video: Betriebsrat: Was ist das? Aufgaben, Rechte und Pflichten; Quelle: BetriebsratVideo - W.A.F. Institut für Betriebsräte-Fortbildung

Betriebsverfassungsgesetz

§ 1 BetrVG: Errichtung von Betriebsräten § 7 BetrVG: Wahlberechtigung § 8 BetrVG: Wählbarkeit § 9 BetrVG: Zahl der Betriebsratsmitglieder § 21 BetrVG: Amtszeit

Aufgaben

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit in einem Betrieb ein Betriebsrat gewählt werden kann?

Wer kann zum Betriebsrat gewählt werden?

Die Großbäckerei Zwerg hat 75 Arbeitnehmer. Wie viele Betriebsratsmitglieder hat der Betrieb?

Antonio Rigato hat die italienische Staatsangehörigkeit. Ist er wahlberechtigt bei den Betriebsratswahlen?


Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats

sozialer Bereichpersoneller Bereichwirtschaftlicher Bereich
MitbestimmungsrechtEingeschränktes MitbestimmungsrechtMitwirkungsrecht (Unterrichtung)
Der Betriebsrat hat ein echtes Mitbestimmungsrecht, d.h. ohne seine Zustimmung können die Maßnahmen nicht beschlossen werden.Der Betriebsrat kann seine Zustimmung verweigern, wenn er schwerwiegende Gründe hat. Die letzte Entscheidung trifft dann das Arbeitsgericht.Der Betriebsrat muss über anstehende Maßnahmen informiert werden. Er hat ein Beratungsrecht. Verweigert er die Zustimmung zu den geplanten Maßnahmen, bleibt dies ohne Wirkung.
Beispiel:
Arbeitszeit (Beginn, Ende)
Betriebsordnung
Unfallverhütung
Sozialeinrichtungen
Beispiele:
Einstellung
Versetzung
Kündigung
Umgruppierung
Beispiele:
Absatz
Produkte
Investitionen
Produktionsverfahren

Fall:

In der Großbäckerei Zwerg soll ein Mitarbeiter entlassen werden. Ohne den Betriebsrat zu informieren, kündigt die Geschäftsleitung dem betroffenen Arbeitnehmer fristgerecht. Überprüfen Sie anhand des § 102 BetrVG:
Ist die Kündigung wirksam?
Welche Mitwirkungsrechte hat der Betriebsrat bei einer Kündigung?


Betriebsversammlungen

Video: Betriebsversammlung: Diese Fakten sollte jeder Betriebsrat kennen; Quelle: BetriebsratVideo - W.A.F. Institut für Betriebsräte-Fortbildung

Der Betriebsrat lädt alle Arbeitnehmer des Betriebs und den Arbeitgeber, einmal im Kalendervierteljahr (als viermal im Jahr), zu einer Betriebsversammlung ein.


Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)

Video: Was ist eine JAV? Einfach erklärt!; Quelle: BetriebsratVideo - W.A.F. Institut für Betriebsräte-Fortbildung

  • Eine JAV kann gewählt werden, wenn mindestens 5 Jugendliche oder Auszubildende beschäftigt werden.
  • Wählbar sind alle Arbeitnehmer des Betriebes, die noch keien 25 Jahre alt sind.
  • Die Amtszeit der JAV beträgt 2 Jahre.
  • Die JAV verhandelt nicht direkt mit dem Arbeitgeber. Sie muss ihre Interessen über den Betriebsrat durchsetzen.
  • Die Hauptaufgabe der JAV ist es die oft besonderen Belange der Jugendlichen zu vertreten.

Aufgaben, Buch, Kapitel: Betriebliche Mitbestimmung

Folgende Gesetzestexte helfen bei der Beantwortung der Aufgaben:
§ 1 BetrVG: Errichtung von Betriebsräten
§ 7 BetrVG: Wahlberechtigung
§ 8 BetrVG: Wählbarkeit
§ 87 BetrVG: Mitbestimmungsrechte
§ 95 BetrVG: Auswahlkriterien
§ 102 BetrVG: Mitbestimmung bei Kündigung

Aufgabe 1
a) Wovon hängt die Zahl der Betriebsratsmitglieder eines Betriebs ab?
b) Welche Voraussetzungen muss ein Arbeitnehmer erfüllen, damit er bei Betriebsratswahlen kandidieren kann?
c) Unter welchen Voraussetzungen ist ein Arbeitnehmer wahlberechtigt bei Betriebsratswahlen?
d) Nennen Sie drei allgemeine Aufgaben des Betriebsrats.

Aufgabe 2
Erläutern Sie die Aufgabe einer Betriebsversammlung und des Wirtschaftsausschusses.

Aufgabe 3
In welchen betrieblichen Bereichen hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht, in welchen hat er ein eingeschränktes Mitbestimmungsrecht und in welchen hat er ein Mitwirkungsrecht?

Aufgabe 4
a) Welche Gründe sprechen für ein gesonderte Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)?
b) Welche Hauptaufgabe hat die JAV?
c) Ein Betrieb hat 250 jugendliche Arbeitnehmer und Auszubildende. Wie viele JAV-Mitglieder dürfen gewählt werden?

Aufgabe 5
Erklären Sie die folgende betriebliche Situation in Hinsicht auf die Mitbestimmungsrechte.
a) Einige Mitarbeiter sollen in ein Zweigwerk versetzt werden.
b) Die Geschäftsleitung verlegt den täglichen Arbeitsbeginn eine Stunde vor.
c) Die monatliche Lohnzahlung soll auf Anweisung der Geschäftsleitung jeweils 10 Tage später erfolgen.
d) Eine neu zu besetzende Arbeitsstelle wird nicht im Betrieb ausgeschrieben.
e) Betriebsrat und Geschäftsleitung einigen sich nicht über die Verwaltung der Betriebskantine.
f) Der Arbeitgeber hat bei der Auswahl des zu kündigenden Arbeitnehmers soziale Gesichtspunkte nicht ausreichend berücksichtigt.

Aufgabe 6
Die Gewerkschaften fordern eine Ausweitung der Mitbestimmung. Tragen Sie mögliche Argumente für und gegen eine Ausweitung der Mitbestimmung zusammen.


Betriebsvereinbarungen

  • betreffen den einzelnen Betrieb
  • werden zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber abgeschlossen
  • Arbeitgeber, Betriebsrat und alle Betriebsangehörigen müssen sich daran halten

Video: Was ist eine Betriebsvereinbarung? Quelle: brbildung.de

  • Betriebsvereinbarungen müssen schriftlich abgefasst und im Betrieb ausgehängt werden.
  • Betriebsvereinbarungen dürfen die geltenden gesetzlichen und tarifvertraglichen Bestimmungen nur verbessern nicht jedoch verschlechtern.
  • Betriebsvereinbarungen regeln z.B. Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit, Unfallverhütungsvorschriften, Urlaubspläne, betriebliche Sozialeinrichtungen.

Aufgaben Buch S. 52

Aufgabe 2
Ein Arbeitnehmer erhält laut Arbeitsvertrag 26 Werktage Jahresurlaub. Das Bundesurlaubsgesetz jedoch sieht nur 24 Werktage vor. Im entsprechenden Tarifvertrag ist von 25 Tagen die Rede. Außerdem liegt eine Betriebsvereinbarung vor, die 27 Tage Jahresurlaub vorsieht.
Wie viele Urlaubstage kann der Arbeitnehmer wirklich beanspruchen?

Aufgabe 3
Die Massivmöbel GmbH ist in ernsthafte Absatzschwierigkeiten geraten. Der Geschäftsführer verlangt deshalb von den Beschäftigten, dass sie auf das laut Betriebsvereinbarung zusätzlich gewährte Urlaubsgeld verzichten. Um Probleme von vornherein auszuschließen, verzichtet er bei dieser Entscheidung auf die Zustimmung des Betriebsrats. Wie beurteilen Sie die Rechtslage?

FALL:

Wegen schlechter Auftragslage streicht ein Arbeitgeber einseitig seinen Beschäftigten das in der Betriebsvereinbarung zusätzlich gewährte Urlaubsgeld.
Ist dies zulässig? § 77 BetrVG


3.2 Arbeitsvertrag

Der Arbeitsvertrag ist ein Vertrag (genauer: Dienstvertrag) zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Arbeitnehmer Arbeitsleistung (unter der Leitung des Arbeitgebers)

Arbeitgeber Vergütung (Lohn/Gehalt)

WICHTIG: EU-Bürger können in jedem Land der EU einen Arbeitsvertrag unterschreiben (eine Arbeitserlaubnis ist nicht erforderlich!)

VOR Abschluss eines Arbeitsvertrags:

  • Arbeitgeber muss mit den Bewerbungsunterlagen diskret umgehen.

Info

Zu den Bewerbungsunterlagen gehören das Bewerbungsschreiben, ein Leserbrief mit Bewerbungsfoto, die letzten Schulzeugnisse, Arbeitszeugnisse, der Nachweis der Berufsausbildung (z.B. Gesellenbrief)

Vorstellungsgespräch: entstandene Kosten muss der Arbeitgeber übernehmen (außer dies wurde ausgeschlossen)

Zu folgenden Themen dürfen im Vorstellungsgespräch keine Fragen gestellt werden:

  • nach den persönlichen Vermögensverhältnissen (z.B. Schulden)
  • Gesundheitsfragen
  • Vorstrafen
  • Religions-, Partei- oder Gewerkschaftszugehörigkeit Schwangerschaft Bewerber kann gar nicht antworten oder darf falsch antworten! Ausnahmen, z.B. eine Buchhalterin darf nach ihren Vermögensverhältnissen gefragt werden und ob sie Vorstrafen (Wirtschaftskriminalität, z.B. Unterschlagung) hat

Zulässig sind z.B. Fragen nach

  • einer Schwerbehinderung
  • beruflichen Kenntnissen
  • beruflichen Erfahrungen
  • Prüfungsergebnissen
  • Höhe des bisherigen Gehalts Bewerber muss wahrheitsgemäß antworten!

Vorstellungsgespräch

Pflichten des Einstellenden:Pflichten des Bewerbers:
diskreter Umgang mit den Bewerbungsunterlagenwahrheitsgemäße Auskunft über ihre Qualifikationen
Verbot bestimmter Fragen (z.B. nach Schwangerschaft)Mitteilung, welche Anforderungen sie nicht erfüllen kann
Ausreichende Informationen über den ArbeitsplatzMitteilung von Lohnpfändungen
Kostenersatz, wenn der Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde

Aufgabe

Beurteilen Sie ob die folgenden Fragen im Vorstellungsgespräch zulässig oder unzulässig sind.

NrFragezulässigunzulässig
1Sind Sie schwerbehindert?
2Planen Sie in den nächsten zwei Jahren Kinder zu bekommen?
3Mit welchem Ergebnis haben Sie Ihre Gesellenprüfung abgelegt?
4Sind Sie Mitglied einer Gewerkschaft?
5Haben Sie Schulden?
6Wie hoch war Ihr bisheriges Gehalt?
7Haben Sie an Fortbildungen teilgenommen?
8Sind Sie schwanger?

Form und Inhalt

Info

Der Abschluss eines Arbeitsvertrages ist formfrei, dh es ist keine bestimmte Form vorgeschrieben. Jedoch verpflichtet das Nachweisgesetz den Arbeitgeber, die wichtigsten Vertragsbedingungen schriftlich niederzulegen, zu unterschreiben und dem Arbeitnehmer auszuhändigen. Dadurch werden unnötige Streitigkeiten verhindert und vereinbarte Ansprüche können ohne Beweismangel durchgesetzt werden.

  • formfrei (schriftlich, mündlich oder durch schlüssiges Handeln)

  • ABER schriftlicher Vertrag ist immer vorteilhaft!

  • Nachweisgesetz: Arbeitgeber muss spätestens nach einem Monat die wesentlichen Vertragsinhalte schriftlich festhalten, unterschreiben und dem Arbeitnehmer aushändigen

  • Mindestinhalte lt. Nachweisgesetz sind

    • Namen der Vertragspartner
    • Vertragsbeginn, ggf. Befristung
    • Arbeitsort
    • Beschreibung der Arbeit
    • Verdiensthöhe
    • vereinbarte Arbeitszeit
    • Dauer des Jahresurlaubs
    • Kündigungsfristen
    • Hinweise auf Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen

WICHTIG: Befristete Arbeitsverträge müssen schriftlich abgeschlossen werden (ansonsten ist die Befristung unwirksam und es entsteht ein unbefristeter Vertrag!)

Probezeit: maximal 6 Monate; Kündigungsfrist: 14 Tage

Pflichten des ArbeitgebersPflichten des Arbeitnehmers
ArbeitsvergütungArbeitsleistung
BeschäftigungGehorsamspflicht
FürsorgeSchweigepflicht
ZeugnisSorgfaltspflicht
Wettbewerbsverbot

Folgende Arbeitspapiere sind bei Stellenantritt beim Arbeitgeber abzugeben:

  • die Urlaubsbescheinigung des vorherigen Arbeitgebers
  • die Mitgliedsbescheinigung der gewählten Krankenkasse
  • der Sozialversicherungsausweis
  • die Steueridentifikationsnummer und das Geburtsdatum

Aufgabe

Stefan Berger soll am 1. September 2024 in der Konditorei Schlecker eine Stelle als ausgelernter Konditor antreten. Es wurde vereinbart, dass er bei einer Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche ein Bruttomonatsgehalt von 2300 Euro erhält. Weitere Angaben: Konditormeister Max Schlecker, Hauptstraße 57, 71638 Ludwigsburg; Stefan Berger, Ostergasse 41, 71706 Markgröningen

Aufgabe: Füllen Sie den Arbeitsvertrag für Stefan Berger aus. Achten Sie darauf, dass geltende gesetzliche Bestimmungen eingehalten werden.

ARBEITSVERTRAG

Zwischen ___ nachfolgend “Arbeitgeber” genannt und

Frau/Herr ___ nachfolgende “Arbeitnehmer” genannt, wird folgender Arbeitsvertrag geschlossen.

§ 1 Beginn des Arbeitsverhältnisses Das Arbeitsverhältnis beginnt am ___

§ 2 Probezeit Dieser Vertrag wird auf unbestimmte Zeit abgeschlossen, dabei gelten die ersten ___ als Probezeit. Während der Probezeit kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von ___ gekündigt werden.

§ 3 Tätigkeit Der Arbeitnehmer wird als Konditor eingestellt, also für die Herstellung von Torten und Kuchen, Pralinen, Konfekt, Marzipan- und Zuckererzeugnissen, Salz-, Käse- und Dauergebäck, Speiseeis usw.

§ 4 Arbeitsvergütung Der Arbeitnehmer erhält eine monatliche Bruttovergütung von ___

§ 5 Arbeitsort Konditorei-Cafe Schleckermann in 71638 Ludwigsburg, Wilhelmstraße 57

§ 6 Arbeitszeit Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt bei 5 Arbeitstagen pro Woche derzeit ___ Stunden. Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit richten sich nach der betrieblichen Einteilung.

§ 7 Urlaub Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub von ___ Werktagen im Kalenderjahr.

§ 8 Verschwiegenheitspflicht Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, während der Dauer des Arbeitsverhältnisses und auch nach seinem Ausscheiden zur Verschwiegenheit über alle Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse.

§ 9 Kündigung Nach Ablauf der Probezeit beträgt die Kündigungsfrist ___ Die Kündigung bedarf der ___

§ 10 Nebentätigkeiten Jede entgeltliche oder das Arbeitsverhältnis beeinträchtigende Nebenbeschäftigung bedarf der Zustimmung des Arbeitgebers


(Ort, Datum) (Ort, Datum)

(Unterschrift Arbeitgeber) (Unterschrift Arbeitnehmer)


Beendigung eines Arbeitsverhältnisses

  • Renteneintritt
  • Tod des Arbeitnehmers
  • Zeitablauf (bei Befristung)
  • Aufhebungsvertrag
  • Kündigung

Kündigung

Ein Arbeitsverhältnis kann durch die Kündigung eines Vertragspartners beendet werden. Vorgeschrieben ist die Schriftform (seit 2000).

Liegt ein wichtiger Grund vor, dann können Arbeitgeber und Arbeitnehmer fristlos kündigen.

Fülle die Tabelle aus

Ein Arbeitnehmer kann fristlos kündigen, bei z.B.Ein Arbeitgeber kann fristlos kündigen, bei z.B.

Die gesetzliche (ordentliche) Kündigungsfrist beträgt 4 Wochen auf den 15. eines Monats oder auf das Monatsende. Dies gilt für alle Arbeitnehmer.

Wichtiger Hinweis: 4 Wochen sind 4 * 7 Tage = 28 Tage!!!

Beispiel:
31.05 - 28 Tage = 3.05.
31.05. - 1 Monat = 30.04.

Ermittle den letzten Arbeitstag

Arbeitnehmerletzter Arbeitstag
H. kündigt am 10. März zum nächstmöglichen Termin.
M. kündigt am 23. Mai zum nächstmöglichen Termin.

Bei langjährigen Mitarbeitern muss der Arbeitgeber verlängerte Kündigungsfristen beachten

Fülle die Tabelle aus

Betriebszugehörigkeitgesetzliche Kündigungsfrist
ab 2 Jahren
ab 5 Jahren
ab 8 Jahren
ab 10 Jahren
ab 12 Jahren
ab 15 Jahren
ab 20 Jahren

Allgemeiner Kündigungsschutz

§ 1 KSchG, § 23 KSchG Gilt wenn:

  • mindestens 6 Monate Betriebszugehörigkeit
  • mehr als 5 Arbeitnehmer im Betrieb (10 bei Neueinstellungen)

Sofern der allgemeine Kündigungsschutz gilt, ist eine Kündigung nur zulässig, wenn ein Kündigungsgrund vorliegt.

Ergänze die Tabelle

KündigungsgrundBeispieleVoraussetzung
Verhalten des Arbeitnehmers*
*
Person des Arbeitnehmers*
*
Betriebliche Erfordernisse*
*

Besonderer Kündigungsschutz

Arbeitnehmer, die bestimmten Personenkreisen angehören, genießen einen besonderen Kündigungsschutz, d.h. sie sind unter bestimmten Voraussetzungen unkündbar.

  • (Werdende) Mütter sind unkündbar während der Schwangerschaft und bis 4 Monate nach Entbindung sowie während der Elternzeit.
  • Auszubildende sind unkündbar nach der Probezeit.
  • Schwerbehinderte: Ohne Zustimmung des Integrationsamtes ist eine Kündigung unzulässig.
  • Betriebsräte und Jugendvertreter sind unkündbar während ihrer Amtszeit, sowie 1 Jahr danach.

Begründe, ob die Kündigungen gerechtfertigt sind.

FallK gerechtfertigt j/nGrund
Ein Ausbilder beleidigt seine Auszubildende schwer, diese kündigt fristlos.
Ein Arbeitnehmer teilt wichtige Konstruktionspläne der Konkurrenz mit und wird fristlos gekündigt.
Als sie ihre Schwangerschaft meldet, wird eine Frau fristlos gekündigt.
Einem verheirateten Arbeiter, der 4 Kinder hat und seit 5 Jahren in einem großen Unternehmen arbeitet, wird wegen Rationalisierungsmaßnahmen fristgerecht gekündigt.

Bearbeite die Aufgaben 7,8,9 im Buch, S. 43

(am Ende des Kapitels “Einzelarbeitsvertrag”)

Aufgabe 7
a) Unterscheiden Sie zwischen einer ordentlichen und einer außerordentlichen Kündigung.
b) Nennen Sie jeweils zwei wichtige Gründe für den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, die zur außerordentlichen Kündigung berechtigen.
c) Welche gesetzlichen Kündigungsfristen gelten grundsätzlich für alle Arbeitnehmer?
d) Ein Arbeitnehmer erhält am 20. Januar die Kündiung. Wann läuft der Arbeitsvertrag aus? (Betriebszugehörigkeit 1 Jahr und 2 Monate)
e) Ein Arbeitnehmer kündigt am 1. März. Wann kann er den Betrieb verlassen?
f) Nennen Sie bestimmte Personengruppen, die einen besonderen Kündigungsschutz genießen, und geben Sie den Zweck dieses Kündigungsschutzes an.
g) Ein Betriebsrat kündigt termin- und fristgerecht. Ist diese Kündigung wirksam?

Aufgabe 8
Stellen Sie fest, welche Kündigungsfristen in den nachfolgenden Fällen jeweils gelten.
a) Eine 53-jährige Facharbeiterin ist seit 7 Jahren in einer Fabrik beschäftigt.
b) Ein 38-jähriger Fleischergeselle arbeitet seit 12 Jahren in der gleichen Fleischerei.
c) Ein 24-jähriger ungelernter Arbeiter gehört seit 7 Jahren dem gleichen Unternehmen an.
d) Eine 28-jährige Verkäuferin, die seit 10 Jahren in einem Kaufhaus beschäftigt ist, wird beim Diebstahl ertappt.

Aufgabe 9
Alfred Sorg, 53 Jahre alt, arbeitet seit 18 Jahren bei der Massivmöbel GmbH. Die Firma beschäftigt 18 Mitarbeiter, davon vier seit 5 Monaten. Alfred Sorg wird fristgemäß gekündigt. In dem Kündigungsschreiben wird ihm mitgeteilt, dass er zum 31. März entlassen wird. Als Kündigungsgrund führt der Geschäftsführer den starken Auftragsmangel an. Alfred Sorg hält die Kündigung für nicht ausgewogen. Er meint, dass etliche jüngere Kollegen viel leichter einen neuen Arbeitsplatz finden würden, vor allem die neu eingestellten Arbeitnehmer.
a) Überprüfen Sie mithilfe des Kündigungsschutzgesetztes, ob die Kündigung zulässig ist: §1 KSchG, §3 KSchG, §4 KSchG, § 23 KSchG
b) Wie beurteilen Sie eine Kündigung der neu eingestellten Mitarbeiter?
c) Angenommen, in der Massivmöbel GmbH würden nur 9 Mitarbeiter beschäftigt. Würde sich dieser Umstand auf die Kündigung von Alfred Sorg auswirken?
d) Welche Schritte könnte Alfred Sorg gegen die Kündigung unternehmen?


Arbeitszeugnis

Einfaches ArbeitszeugnisQualifiziertes Arbeitszeugnis
Enthält nur die Art und Dauer der BeschäftigungAuf Wunsch des Arbeitnehmers enthält es zusätzlich dessen Führung und Leistung

FAQ :) Das Arbeitszeugnis - Wichtige Fragen und Antworten Quelle: anwalt.de z.B. 13. Gibt es eine Standardnote für das Zeugnis?

Nach ständiger Rechtsprechung des BAG hat ein Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein Zeugnis mit der Gesamtbewertung „befriedigend“ (Note 3). Hält der Arbeitnehmer eine bessere Note für angemessen, trifft ihn die Darlegungs- und Beweislast, dass seine Arbeitsleistungen auch besser zu bewerten sind. Hält hingegen der Arbeitgeber die Leistungen des Arbeitnehmers für schlechter als „befriedigend“, trifft ihn die Nachweispflicht.

19. Hat der Arbeitnehmer einen Berichtigungsanspruch?

Bei formellen oder inhaltlichen Fehlern steht dem Arbeitnehmer ein Berichtigungsanspruch zu, da es ihm unzumutbar ist, sich mit einem fehlerhaften Zeugnis zu bewerben.

Der Arbeitnehmer hat etwaige Fehler im Zeugnis in angemessener Zeit zu bemängeln, da der Anspruch auf Zeugnisberichtigung auch der Verwirkung oder bei bestehenden Ausschlussfristen dem Verfall unterliegt.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dem Arbeitnehmer ein gänzlich neues Zeugnis zu erstellen. Es ist so auszugestalten, als ob es sich um eine Erstausfertigung handeln würde. Dabei ist der Arbeitgeber an den nicht beanstandeten Text gebunden, sofern nicht nachträglich Umstände bekannt werden, die das Verhalten des Arbeitnehmers in einem anderen (negativeren) Licht erscheinen lassen.

Aufgabe:

Gib an, was die einzelnen Formulierungen im Arbeitszeugnis wirklich bedeuten

Arbeitszeugniswirkliche Bedeutung
Sie hatte stets Verständnis für ihre Arbeit
Er war seinen Mitarbeitern stets ein verständnisvoller Vorgesetzter
Sie erzielte nicht unerhebliche Verkaufsumsätze
Im Umgang mit Kollegen zeigte er durchweg eine erfrischende Offenheit
Durch ihre gesellige Art trug sie zur Verbesserung des Betriebsklimas bei
Er verfügte über Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen
Sie arbeitete stets mit größter Genauigkeit
Er hat alle Aufgaben in seinem und im Interesse der Firma gelöst
Sie hat an allen ihr gestellten Aufgaben mit großem Fleiß gearbeitet
Er verstand es, alle Arbeiten zu delegieren

Aufgabe:

Beurteile die folgenden Formulierungen aus verschiedenen Arbeitszeugnissen

Die übertragenen Arbeiten wurden…Beurteilung
a)… stets zur vollsten Zufriedenheit erledigt.
b)… zur Zufriedenheit erledigt.
c)… stets zur vollen Zufriedenheit erledigt.
d)… im Großen und Ganzen zur Zufriedenheit erledigt.
e)… zur vollen Zufriedenheit erledigt.
f) Er hat sich bemüht, die Arbeiten zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.

Aufgabe:

Manfred B. war 4 Jahre als Abteilungsleiter in einem größeren Industriebetrieb tätig. Bei seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen erhält er folgendes Arbeitszeugnis:

a) Unterstreiche die negativen Aussagen. b) Bewerte das Zeugnis mit einer Note zwischen 1 und 6. c) Begründe die Note.

ARBEITSZEUGNIS

Herr Manfred B., geboren am 25.03.1981 in Stuttgart, ist am 01.07.2019 als Leiter der Abteilung Rechnungswesen in unser Unternehmen eingetreten.

Neben der Betriebsabrechnung und der Kalkulation umfasste sein Aufgabenbereich auch die innerbetriebliche Leistungsabrechnung der einzelnen Abteilungen. Am Anfang seiner Tätigkeit wurde unter seiner Leitung die vollständige Umstellung auf EDV vollzogen.

Aus organisatorischen Gründen wurde dieses Aufgabengebiet ab dem 01.11.2023 einem anderen Verantwortungsbereich unterstellt.

Während seiner Betriebszugehörigkeit hatte Herr B. die Gelegenheit, verschiedene Abteilungen unseres Unternehmens kennenzulernen und sich auf vielen Gebieten Kenntnisse anzueignen.

Herr B. hat sich stets bemüht, die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen. Wir haben ihn als einen Menschen kennengelernt, dem Ordnungsliebe und Genauigkeit über alles gingen.

Herr B. verlässt uns zum 30.09.2024, um eine andere Aufgabe zu übernehmen.


3.3 Entlohnung

Lohnformen: Zeitlohn, Leistungslohn und Prämienlohn

Zusammenfassung Video

Das Video erklärt die Grundformen der Entlohnung von Arbeitsleistungen, die in vielen Betrieben Anwendung finden. Dabei werden drei zentrale Lohnformen beschrieben:

  • Zeitlohn: Die Entlohnung richtet sich nach der geleisteten Arbeitszeit – z. B. Stunden- oder Monatslohn. Die tatsächliche Leistung des Mitarbeiters bleibt bei der Höhe des Lohns außer Betracht. (bpb.de)

  • Leistungslohn (Akkordlohn): Die Vergütung hängt direkt von der erbrachten Leistung ab, z. B. entsprechend der Menge produzierter Einheiten. Es gibt verschiedene Varianten wie Geldakkord oder Zeitakkord. (bpb.de)

  • Prämienlohn: Eine Mischform, bei der ein Grundlohn – meist nach Zeit – vereinbart wird und zusätzlich leistungsabhängige Prämien gezahlt werden. Dabei können sowohl quantitative als auch qualitative Kriterien Grundlage für Prämienzahlungen sein. (bpb.de)

Ziel dieser Lohnformen ist es, unterschiedliche Entlohnungs- und Motivationsstrukturen abzubilden und die Arbeitsleistung entweder über Zeit, Menge oder qualitative Kriterien zu honorieren. (BWL-Lexikon.de)


Lohnabrechnung und Lohnabzüge: Steuern, Sozialversicherungsbeiträge

Zusammenfassung Video

Das Video erklärt die Grundlagen der Lohn- und Gehaltsabrechnung (Payroll) und zeigt, wie vom Bruttolohn der Arbeitnehmer der Nettolohn berechnet wird. Zunächst wird erläutert, was unter dem Bruttolohn zu verstehen ist: Er umfasst das vereinbarte Arbeitsentgelt inklusive aller Zulagen und Zuschläge vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Anschließend zeigt das Video die typischen Abzugspositionen:

  • Lohnsteuer, die vom brutto abhängig ist und progressiv steigt,

  • Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer,

  • Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung, z. B. Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung.

Danach wird dargestellt, wie aus dem Bruttolohn der Nettolohn entsteht, also das, was dem Arbeitnehmer ausgezahlt wird, nachdem alle Abzüge berücksichtigt wurden. Ebenfalls werden kurz die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung erläutert, die zusätzlich zum Bruttolohn anfallen, aber nicht den Nettolohn des Arbeitnehmers mindern. Abschließend wird anhand eines Rechenbeispiels der Ablauf der Berechnung Schritt für Schritt demonstriert, um zu zeigen, wie man von einem vereinbarten Bruttolohn zu einem konkreten Nettoauszahlungsbetrag kommt.

Lohnabzüge

LohnBeispiele
GrundlohnZeitlohn (normalerweise), Akkordlohn
+ Zulagen (in Euro)Kassenzulage, Schmutzzulage, Schichtzulage
+ Zuschläge (in %)Überstunden
+ sonstige finanzielle Leistungenvermögenswirksame Leistungen
= Bruttolohn
- Lohnsteuer gesetzlicher Abzug
- Kirchensteuer gesetzlicher Abzug
- Solidaritätszuschlag gesetzlicher Abzug
- Krankenversicherung gesetzlicher Abzug
- Pflegeversicherung gesetzlicher Abzug
- Arbeitslosenversicherung gesetzlicher Abzug
- Rentenversicherung gesetzlicher Abzug
= Nettolohn

Merke: Bruttolohn - gesetzliche Abzüge = Nettolohn

Erstellung einer Lohnabrechnung

Beispiel

Die alleinstehende 25-jährige Aushilfskraft Lisa Müller wohnt und arbeitet in Freiburg. Sie hat einen Stundenlohn von 9,50 Euro. Im letzten Monat arbeitete sie 168 Stunden. Zusätzlich leistete sie 8 Überstunden, die mit 25 % Zuschlag vergütet werden. Außerdem erhielt sie eine Kassenzulage von 35 Euro.

a) Wie hoch ist ihr Bruttolohn?

b) Berechnen Sie den Nettolohn, indem sie folgende Abzüge berücksichtigen:

  • Lohnsteuer 132,83 Euro
  • Solidaritätszuschlag (5,5 % der Lohnsteuer)
  • Kirchensteuer (8 % der Lohnsteuer)
  • Krankenversicherungsbeitrag 14,6 % (die Krankenkasse erhebt einen Zusatzbeitrag von 1,1 %)
  • Pflegeversicherungsbeitrag 2,55 % (Kinderlose Arbeitnehmer zusätzlich 0,25 %)
  • Arbeitslosenversicherungsbeitrag 3,0 %
  • Rentenversicherungsbeitrag 18,7 %.

c) Wie hoch ist der ausgezahlte Lohn, wenn ihr noch 35 Euro für einen vermögenswirksamen Sparvertrag abgezogen werden?

d) Berechnen Sie ihren Nettolohn, wenn der Mindestlohn auf 15 Euro ansteigt. (Geänderte Angaben: die Lohnsteuer steigt auf 237,66 Euro)


Aufgaben

1a) Unterscheiden Sie zwischen Bruttolohn und Nettolohn.
1b) Welche Lohnabzüge sind gesetzlich vorgeschrieben?
1c) Neben den gesetzlichen Abzügen können auch sonstige Abzüge anfallen. Geben Sie hierzu drei Beispiele an.

2.) Eine 24-jährige Verkäuferin erzielt ein Grundgehalt von 2225,00 Euro. Außerdem bekommt sie eine monatliche Kassenzulage von 30 Euro.
a) Berechnen Sie das Bruttogehalt.
b) Berechnen Sie das Nettogehalt und berücksichtigen Sie dabei folgende Abzüge: Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung 20,75 %, Lohnsteuer 197,91 Euro, Kirchensteuer 8 % der Lohnsteuer.
c) Wie hoch ist der auszuzahlende Betrag, wenn zusätzlich vermögenswirksames Sparen in Höhe von 35 Euro zu berücksichtigen ist?


Lohnzusatzkosten

Lohnzusatzkosten

Lohnzusatzkosten sind Kosten, die der Arbeitgeber zusätzlich zum Lohn des Arbeitnehmers aufbringen muss.
Beispiele:

  • Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung
  • Urlaub
  • Lohnfortzahlung bei Krankheit
  • usw.

Lohnzusatzkosten verteuern unsere Produkte, deshalb kann der Absatz zurückgehen, darunter kann die Produktivität leiden.

Die höchsten Lohnkosten fallen in Dänemark und Luxemburg an.

Welche Gefahren sehen Sie in steigenden Lohnzusatzkosten?

  • Preissteigerungen
  • Gefährdung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit
  • Unternehmen rationalisieren, um Arbeitsproduktivität zu erhöhen
  • Betriebe werden ins Ausland verlagert
    Folgen sind z.B.: höhere Arbeitslosigkeit, Verlagerung der Produktion ins kostengünstigere Ausland

Nominal- und Reallohnentwicklung

Nominallohn - Preissteigerungen = Reallohn

Nominallohn = der Betrag, den jemand netto verdient

Reallohn = zeigt die wirkliche Kaufkraft, da er um die Preissteigerungsrate vermindert wurde

Zusammenfassung Video

Das Video erklärt den Unterschied zwischen nominalen und realen Größen, ein zentrales Konzept im Wirtschafts- und Volkswirtschaftsunterricht. Nominale Größen sind Werte, die nicht um Preisveränderungen bereinigt sind; sie zeigen den absoluten Betrag zu einem bestimmten Zeitpunkt, z. B. das nominale Bruttoinlandsprodukt eines Jahres ohne Berücksichtigung von Inflation oder Deflation. Reale Größen hingegen werden preisbereinigt, um die Auswirkungen von Preisänderungen herauszurechnen. Dadurch lässt sich besser erkennen, ob z. B. eine tatsächliche Menge gewachsen ist oder ob der Unterschied nur auf Preissteigerungen beruht. Ein typisches Beispiel ist der reale Lohn, der angibt, wie viel ein Arbeitnehmer tatsächlich kaufen kann – also die Kaufkraft –, im Unterschied zum nominalen Lohn, der lediglich den Betrag angibt, den er in Euro erhält. Die Unterscheidung hilft, wirtschaftliche Entwicklungen über die Zeit vergleichbar zu machen, weil sie Preisverzerrungen ausschaltet und so echte Leistungsänderungen sichtbar macht.

Aufgabe

Wie verändert sich der Reallohn bei den nachfolgenden Beispielen?

BeispielVeränderung des Reallohns
Die Preise steigen um 5 %, der Nominallohn steigt um 6 %
Die Preise steigen um 4,5 %, der Nominallohn steigt um 3,5 %
Die Preise sinken um 0,5 %, der Nominallohn steigt um 2 %
Die Preise bleiben unverändert, der Nominallohn steigt um 3 %
Die Preise steigen um 6 %, der Nominallohn steigt um 4 %
Die Preise steigen um 4 %, der Nominallohn bleibt unverändert

Aufgaben

1.) Erläutern Sie was man unter Lohnzusatzkosten versteht.

2a) Welche Länder innerhalb der Europäischen Union kommen als “Billiglohnländer” für Investoren infrage?
2b) Überlegen Sie, ob selbst diese “Billiglohnländer” innerhalb von Europa ihre Konkurrenten haben.
2c) Informieren Sie sich darüber, welche bekannten deutschen Hersteller bereits im Ausland produzieren.
2d) Welche Problematik sehen Sie bei einer Senkung der Lohnzusatzkosten?

3a) Erklären Sie den Unterschied zwischen Nominallohn und Reallohn.
3b) Erläutern Sie, was eine Reallohnsteigerung bedeutet.
3c) Der Nominallohnzuwachs eines Arbeitnehmers beträgt 5 %, die Preissteigerungsrate der Volkswirtschaft 6 %. Wie wirkt sich dies auf den Reallohn des Arbeitnehmers aus?


Die Lohn-Preis-Spirale

Fall

Die Bäckerei-Kette „Kornzeit“

Stell dir vor, die Bäckerei-Kette „Kornzeit“ beschäftigt viele Mitarbeiter, darunter Verkäuferinnen, Bäcker und Reinigungskräfte. Die Lebenshaltungskosten – z. B. für Strom, Miete und Lebensmittel – steigen spürbar. Die Mitarbeiter fordern deshalb mehr Lohn, um sich das Leben weiterhin leisten zu können.

1. Löhne steigen:
Nach Verhandlungen mit der Gewerkschaft erhalten die Mitarbeiter mehr Gehalt.

2. Preise steigen:
Die höheren Löhne bedeuten für „Kornzeit“ höhere Kosten. Um weiterhin Gewinn zu machen, erhöht die Bäckerei die Preise für Brot, Brötchen und Kuchen.

3. Lebenshaltungskosten steigen:
Jetzt müssen die Kunden mehr für ihr Frühstück bezahlen – das trifft auch wieder die Beschäftigten in anderen Branchen. Sie fordern nun ebenfalls höhere Löhne, weil ihr Geld nicht mehr reicht.

4. Neue Lohnrunde beginnt:
Steigen auch dort die Löhne, müssen auch andere Unternehmen ihre Preise erhöhen.

Die Spirale dreht sich weiter.

Merke
Die Lohn-Preis-Spirale beschreibt den Teufelskreis aus steigenden Löhnen und steigenden Preisen, der sich gegenseitig immer weiter antreiben kann – oft begleitet von Inflation.

Preis-Lohn-SpiraleLohn-Preis-Spirale
Die Gewerkschaften sind der Meinung, dass…Die Arbeitgeber vertreten die Ansicht, dass…
die steigenden Preise die Ursache sind für Lohnerhöhungen.hauptsächlich die höheren Löhne die Ursache sind für Preiserhöhungen.
steigende Preise geringere Kaufkraft Lohnforderungen höhere Löhne größere Nachfrage und gestiegene Kosten steigende Preisehöhere Löhne größere Nachfrage und gestiegene Kosten steigende Preise geringe Kaufkraft Lohnforderungen höhere Löhne