3. Preispolitik

Unter Preispolitik versteht man das Bestimmen der Absatzpreise unter Berücksichtigung der Unternehmensziele

Ziele der Preispolitik können sein:

  • (Kurzfristige) Gewinnmaximierung
  • Qualitätsführerschaft
  • maximale Marktabschöpfung
  • maximales Absatzwachstum
  • Fortbestand des Unternehmens

1. Kostenorientierte Preispolitik

Vergleich: Kapitel 1: Kostenrechnung - Kostenträgerrechnung Die Produktion verursacht Kosten, die durch den Verkauf der Produkte gedeckt werden müssen.

Aufgabe 1 (Wiederholung Kostenträgerrechnung)

Bei der Lala GmbH geht eine Anfrage nach einer Sonderanfertigung einer Spezialmaschine ein. Es soll ein verbindliches Preisangebot gemacht werden. Der Auftrag für die Maschine erfordert 50.000 Euro Fertigungsmaterial und 60.000 Euro Fertigungslöhne. Die Gemeinkostenzuschlagssätze betragen:

Materialgemeinkostenzuschlagssatz: 5 %
Fertigungsgemeinkostenzuschlagssatz: 150 %
Verwaltungsgemeinkostenzuschlagssatz: 7 %
Vertriebsgemeinkostenzuschlagssatz: 8 %

Gewinnzuschlag: 7,5 %
Kundenskonto: 3 %
Vertreterprovision 6 % vom Zielverkaufspreis
Kundenrabatt: 10 %
Berechnen Sie den Listenverkaufspreis.

Vorlage:

Kalkulationsschema
Materialeinzelkosten (Fertigungsmaterial)
+ Materialgemeinkosten
= Materialkosten
Fertigungseinzelkosten (Fertigungslöhne)
+ Fertigungsgemeinkosten
+ Sondereinzelkosten der Fertigung
= Fertigungskosten
= Herstellkosten
+ Verwaltungsgemeinkosten
+ Vertriebsgemeinkosten
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs
= Selbstkosten
+ Gewinn
= Barverkaufspreis
+ Skonto
= Zielverkaufspreis
+ Kundenrabatt
= Listenverkaufspreis (netto)
+ MwSt
= Angebotspreis (brutto)

2. Nachfrageorientierte Preispolitik

Es gibt eine Wechselwirkung zwischen der Höhe des Preises und der zu erwartenden Nachfrage Preis-Absatz-Funktion

Eine Preis-Absatz-Funktion erfasst die Veränderung der Nachfragemenge nach einem Produkt bei variierenden Preisen. Ziel: Festlegung der preispolitischen Obergrenze für ein Produkt.

Aufgabe 2

Ein Unternehmen bietet nur ein Produkt an. Aufgrund exakter Marktforschung kennt das Unternehmen die Reaktionen seiner Kunden auf Preisänderungen. Es stellt fest, dass es sich einer normalen Nachfrage gegenübersieht, d.h., bei Preiserhöhungen nimmt die Nachfrage ab, bei Preissenkungen nimmt sie zu.

Die fixen Kosten belaufen sich auf 10.000 Euro, die variablen Kosten auf 6 Euro pro Stück. Der Verkaufserlös beträgt momentan 10 Euro pro Stück.

Die Preis-Mengenentwicklung (Nachfragefunktion) ist der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen:

Preis pro StückAbsetzbare Menge
13,002000
12,502500
12,003000
11,503500
11,004000
10,504500
10,005000
9,505500
9,006000
8,506500

Zu welchem Verkaufspreis soll das Unternehmen das Produkt anbieten um den Gewinn zu maximieren?

3. Konkurrenzorientierte Preispolitik

Bei der Preispolitik im Marketing gibt es drei Strategien im Verhältnis zu einem sogenannten Leitpreis. Der Leitpreis ist der Preis, den ein marktführendes oder bekanntes Unternehmen (z.B. ein großer Anbieter) für ein Produkt setzt. Das Unternehmen richtet dann seine Preise an dem der Konkurrenz/des Preisführers aus. Das ist eine oft einfache und zweckmäßige Lösung.

Als Preisführer bezeichnet man ein Unternehmen, dem sich bei Preisänderungen die übrigen Anbieter anschließen. Anmerkung: Preisführer gibt es oft bei Oligopolen (wenig Anbieter - viele Nachfrager), z.B. Öl, Stahl, Papier, Kunstdünger,…


1. Orientierung am Leitpreis

Was bedeutet das? Das Unternehmen setzt den Preis genau auf das Niveau des Leitpreises.

Wann wird das gemacht? Wenn sich das Unternehmen dem Markt anpassen möchte und der Leitpreis als fair wahrgenommen wird oder Kunden ähnliche Preise erwarten.

Beispiel:
Ein großer Anbieter verkauft seine Turnschuhe für 100 €. Dein Unternehmen bietet deine Turnschuhe ebenfalls für 100 € an.


2. Unterbietung des Leitpreises

Was bedeutet das? Das Unternehmen setzt den Preis niedriger als den Leitpreis, um Kunden zu gewinnen.

**Wann wird das gemacht?**Wenn das Unternehmen preisbewusste Kunden ansprechen will oder das Unternehmen kostengünstiger produziert. Es ist oft eine Strategie, um den Wettbewerb zu verdrängen.

Beispiel:
Der große Anbieter verkauft Turnschuhe für 100 €. Du bietest ähnliche Schuhe für 80 € an.


3. Überbietung des Leitpreises

Was bedeutet das? Das Unternehmen setzt den Preis höher als den Leitpreis, weil es sich als Premium-Anbieter positionieren möchte.

Wann wird das gemacht? Wenn das Produkt einen besonderen Mehrwert hat (z. B. höhere Qualität, besseres Design, exklusive Marke).

Beispiel:
Der große Anbieter verkauft Turnschuhe für 100 €. Du bietest deine Turnschuhe für 150 € an, weil sie aus nachhaltigem Material bestehen und handgefertigt sind.


Aufgaben

Aufgabe 1
Nennen Sie die drei Strategien der konkurrenzorientierten Preispolitik.

Aufgabe 2
Erklären Sie kurz, was mit „Leitpreis“ gemeint ist.

Aufgabe 3
Ordnen Sie die folgenden Preisstrategien richtig zu:

a) Ein Unternehmen verkauft sein Produkt zum gleichen Preis wie der Marktführer.
b) Ein Unternehmen verlangt einen niedrigeren Preis als die Konkurrenz.
c) Ein Unternehmen bietet ein Produkt teurer an als der Marktführer, wirbt aber mit Qualität.

Aufgabe 4
Begründen Sie, warum ein Unternehmen den Leitpreis überbieten könnte, obwohl der Preis höher ist.

Aufgabe 5
Welche Aussagen zur konkurrenzorientierten Preispolitik treffen zu?

A) Beim Leitpreis handelt es sich immer um den niedrigsten Marktpreis.
B) Die Orientierung am Leitpreis ist besonders sinnvoll bei homogenen Produkten.
C) Unternehmen mit hoher Markenbekanntheit setzen häufig den Leitpreis.
D) Eine Unterbietung des Leitpreises ist immer illegal.
E) Ein hoher Preis kann ein Marketinginstrument sein.

Aufgabe 6

Ein Unternehmen verkauft E-Bikes. Der Marktführer verlangt 2.000 €.

Welche der folgenden Preisentscheidungen entsprechen einer der drei Strategien der konkurrenzorientierten Preispolitik?

A) Das Unternehmen verlangt 1.500 €, obwohl die Qualität vergleichbar ist.
B) Das Unternehmen verlangt 2.000 €, um konkurrenzfähig zu bleiben.
C) Das Unternehmen verlangt 2.400 €, weil die E-Bikes aus recycelten Materialien bestehen.

D) Das Unternehmen verlangt 2.000 €, um den Marktführer zu verdrängen.
E) Das Unternehmen verlangt 1.000 €, um den Marktführer zu kopieren.