Teil 1 Partizipation in Gesellschaft und Wirtschaft

1. Partizipation in einem repräsentativ verfassten demokratischen und sozialen Staat

1. Repräsentative Demokratie

Bürgerbeteiligung auf verschiedenen Ebenen

Video: 10 Möglichkeiten der politischen Beteiligung; Quelle: Jugend prägt


Bürgerinitiativen

Material zum Thema Bürgerinitiativen: www.bpb.de

Video: Was ist eine Bürgerbeteiligung

Partnerarbeit: Stellt eine Bürgerinitiative eurer Wahl kurz vor.

Pro, z.B.Kontra, z.B.
Kontrolle von Regierung und Verwaltung auf Rechtmäßigkeit von MaßnahmenDurchsetzung von Gruppeninteressen auf Kosten der Allgemeinheit
Direkte Reaktion auf Missstände vor OrtTeilweise Entmachtung der eigentlichen Regierung
Korrektur von politischen FehlentwicklungenTummelplatz für Querulanten und Extremisten
Möglichkeit direkter politischer WillensbildungVerzögerung wichtiger Entscheidungen
Einüben demokratischer VerhaltensregelnGefahr politischer Frustration bei Erfolglosigkeit

Parteien

Video: Parteien und Parteiensystem in Deutschland einfach erklärt; Quelle: Die Merkhilfe

Parteien

Der Begriff Partei stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt so viel wie “Richtung”, “Rolle” oder “Teil”. Menschen, die in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen gleiche oder ähnliche Ansichten teilen oder gemeinsame Interessen verfolgen, können sich zu einer Partei zusammenschließen.

Politischen Parteien vertreten bestimmte Ansichten, wie beispielsweise der Staat geführt werden sollte, und verfolgen gemeinsame gesellschaftliche oder wirtschaftliche Interessen und Ziele.

Übersicht über die Parteien die bei der Europawahl 2024 angetreten sind: zdf.de

Aufgabe: Gruppenarbeit

Sammelt Informationen über eine der folgenden fünf Kleinparteien, die bei der Europawahl 2024 angetreten sind. Präsentiert eure Ergebnisse (kurze Vorstellung, 1-2 Wahlplakate, Spitzenkandidaten, Wahlergebnisse).

  1. Piratenpartei
  2. Die Partei
  3. Volt
  4. Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung
  5. PdV - Partei der Vernunft

Verbände

Was versteht man unter Verbänden?

Verbände entstehen auf Grundlage des Bürgerrechts aller Deutschen, „Vereine und Gesellschaften zu gründen“ (Art. 9 GG). Sie sind freiwillige, privatrechtlich nach dem Vereinsrecht des BGB organisierte Zusammenschlüsse, um Interessen der Mitglieder zusammenzufassen, zu organisieren und nach außen zu vertreten und dabei auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen.

Video: Interessenverbände - Definition, Aufgaben, Methoden der Einflussnahme & Kritik einfach erklärt; Quelle: Die Merkhilfe

  • Interessenorganisationen (Verbände) wirken nach den Parteien als wichtigste Vermittlungsinstanz zwischen Bevölkerung und Staat.
  • Verbände nehmen nicht nur Einfluss auf die politische Willensbildung zugunsten der Verbandsmitglieder, sie sind selbst Bestandteil des politischen Systems.
  • In Deutschland gibt es schätzungsweise etwa 200 000 Verbände.
  • Besonders einflussreich treten Gewerkschaften auf.
  • Über den direkten Zugang zum Bundestag verfügen über 1 500 Verbände, die sich zuvor in einer öffentlichen Liste registrieren ließen.
  • Interessenorganisationen sind auf allen Politikfeldern aktiv, vorzugsweise in Wirtschafts- und Finanzfragen, dann auf sozial-, kultur- und umweltpolitischen Gebieten.

Video: Lobbyismus - Grundbegriffe der Wirtschaft; Quelle: Wirtschaft - simpleclub


Medien

Video: Funktionen von Medien in der Demokratie; Quelle: hanzKurz erklärt

Medien informieren und verbinden; sie desinformieren und spalten. Eigentlich sind es nicht die Medien selbst - diese vermitteln nur, was wir sehen und hören.

Allerdings: Die Beziehung zwischen Medien und Inhalten ist kompliziert. Manchen Medien vertrauen wir mehr als anderen, manche sind eher geeignet, Gefühle bei uns auszulösen, als andere. Ein Sensationsbericht fesselt uns stärker als eine nüchterne Bestandsaufnahme. Von einer bestimmten Zeitung, einem bestimmten Sender oder auch einer bestimmten Journalistin erwarten wir eine objektivere Berichterstattung als von anderen.

Ohne Medien, speziell ohne Massenmedien, wüssten wir wenig über die Welt, die über unser persönliches Erfahrungsumfeld hinausreicht.

Mit den zunehmenden technischen Möglichkeiten, der Vielfalt und Reichweite der Medien, hat sich der Informations- und Kommunikationsraum ständig erweitert. Wir sind einer Informations- uns Unterhaltungsflut ausgesetzt, aus der wir auswählen müssen, wenn wir das uns Mitgeteilte sinnvoll verwenden wollen.

Ohne Medien und Kommunikation sind Gesellschaft, Politik und Wirtschaft nicht denkbar. Informations- und Kommunikationstechnik hat zur globalen Vernetzung unterschiedlicher Lebensbereiche geführt und uns zu Beobachtern weltweiter Entwicklungen gemacht.

Umso wichtiger wird die eigene Medienkompetenz, denn nur mit Medienkompetenz können wir unterscheiden zwischen

  • einer Berichterstattung, die möglichst objektiv ist, und einer, die uns in eine bestimmte Richtung drängen (manipulieren) will,
  • Produkthinweisen, die uns über Artikel informieren (z.B. Werbung), und solchen, die zu unüberlegtem Kauf verlocken wollen,
  • Mitteilungen von echten und von falschen Freunden,
  • Unterhaltungsangeboten, die uns bereichern können, und solchen, die möglicherweise süchtig machen oder den Charakter ungünstig beeinflussen und vielleicht zu unverantwortlichen Handlungen verleiten.

Aufgabe

Vergleichen Sie aus Ihrer eigenen Anschauung Online-Nachrichten mit Nachrichten im Fernsehen und in Tageszeitungen hinsichtlich

  • Aktualität
  • Umfang
  • Qualität der Information
  • Themenauswahl
  • Möglichkeiten der Kommentierung
  • Kosten

Aufgabe

Erläutern Sie allgemein den Einfluss sozialer Netzwerke auf die Meinungsbildung in unserer Gesellschaft. Bewerten Sie diesen Einfluss.


Grundgesetz

Das Grundgesetz ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Es ist die rechtliche Grundordnung unseres Gemeinwesens.

Video: Das Grundgesetz erklärt; Quelle: MrWissen2go - Geschichte | Terra X

Grundrechte Eine Gesellschaft braucht Regeln, mit denen das Zusammenleben organisiert wird. Vieles, wonach wir uns richten, ist Tradition, zur Gewohnheit geworden, meistens selbstverständlich. Darüber hinaus ist es notwendig, wichtige Grundsätze durch geschriebende Rechte zu regeln. Das Fundament dieser Rechte bilden die Grundrechte, die in der Verfassung, dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, formuliert sind.

Grundrechte sind nicht nur gut gemeinte Absichtserklärungen, sondern persönliche Rechte, die vor rechtswidrigen Eingriffen staatlicher Behörden in die Freiheit Einzelner schützen. Wird jemand in seinen Grundrechten verletzt oder daran gehindert, sie in Anspruch zu nehmen, kann er sein Recht vor Gericht einklagen, in letzter Instanz vor dem Bundesverfassungsgericht.

Die Grundrechte im engeren Sinne stehen im ersten Abschnitt des Grundgesetzes, in den Artikeln 1 bis 19.

10 Fakten zum Grundgesetz

Aufgaben

  1. Was versteht man unter dem Grundgesetz?

  2. Nenne zwei Beispiele für Grundrechte, die im Grundgesetz enthalten sind.

  3. Welche Artikel des Grundgesetzes enthalten die sogenannten „Grundrechte im engeren Sinne“ (also die wichtigsten persönlichen Freiheitsrechte)?

  4. Warum sind Grundrechte wichtig für eine Gesellschaft? Nenne zwei Gründe.

  5. Erkläre mit eigenen Worten, was es bedeutet, dass Grundrechte einklagbar sind.

  6. Welche der folgenden Aussagen zu den Grundrechten sind korrekt?

A) Grundrechte gelten nur für Erwachsene
B) Grundrechte schützen Bürgerinnen und Bürger vor dem Staat
C) Das Grundgesetz ist ein Gesetz, das beliebig geändert werden kann
D) Grundrechte sind in den Artikeln 1 bis 19 des Grundgesetzes geregelt
E) Grundrechte gelten nur bei politischen Wahlen


Politische Institutionen

Das Grundgesetz (GG) ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Darin ist der institutionelle Aufbau unseres Staates geregelt. Festgelegt sind hier auch die Aufgaben der wichtigsten Institutionen – auch Verfassungsorgane genannt.

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es fünf ständige Verfassungsorgane, die es konstant geben muss:

Darüber hinaus gibt es zwei nichtständige Verfassungsorgane, die nur zu bestimmten Zwecken zusammenkommen:

Bundesversammlung (Artikel 54 GG) Gemeinsamer Ausschuss (Artikel 53a GG)

Video: Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland Zusammenfassung -Verfassungsorgane einfach erklärt!; Quelle: EinfachSchule

Aufgabe

Nenne die fünf ständigen Verfassungsorgane Deutschlands.


Wahlen

Wählen = Machtübertragung auf Zeit Bundestag und Bundesregierung können nur dann aktiv sein, wenn sie durch Wahlen dazu beauftragt worden sind. Sie erhalten ihre demokratische Legitimation, also ihre Berechtigung zum Handeln, erst durch freie und demokratische Wahlen. Nach der Bundestagswahl wählen die Abgeordneten den Bundeskanzler. Erst dann kann dieser “seine” Regierung bilden.

Die Wahlverfahren Es gibt verschiedene Wahlverfahren, nach denen gewählt werden kann. Die beiden Grundformen sind das Mehrheitswahlrecht und das Verhältniswahlrecht.

  • Mehrheitswahlrecht: Das Staatsgebiet wird in Wahlkreise eingeteilt. Es ist gewählt, wer in seinem Wahlkreis die meisten Stimmen erhalten hat. Die Stimmen für die anderen Kandidaten bleiben bei der Zusammensetzung des Parlaments unberücksichtigt. Nach diesem Verfahren wird z.B. in Großbritannien gewählt.
  • Verhältniswahlrecht: Hier gilt der Grundsatz, dass jede Partei entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtzahl der abgegebenen Wählerstimmen Abgeordnete ins Parlament schickt. Nach diesem Wahlrecht wurde der Deutsche Reichstag in der Weimarer Republik (1919-1933) gewählt.

Der Bundestag wird nach dem personalisierten Verhältniswahlrecht gewählt: Die Zusammensetzung des Bundestags reichtet sich nach dem Anteil der Wählerstimmen, den die einzelnen Parteien erhalten haben. Zugleich sind durch die Erststimme aber Elemente des Mehrheitswahlrechts aufgenommen.

Zusatzinfo

Deutschland wird in 299 Wahlkreise aufgeteilt. Es gibt doppelt so viele Sitze wie Wahlkreise. Jeder Wähler hat zwei Stimmen:

  • Die Erststimme wird nur nach Wahlkreisen ausgezählt. Abgeordneter wird, wer im Wahlkreis die meisten Stimmen bekommen hat (Direktmandat).
  • Mit der Zweitstimme wird eine Partei gewählt. Der Anteil der Parteien an der Gesamtzahl der Sitze (598) richtet sich nach der Zweitstimme. Die Hälfte der Sitze ist bereits durch die Sieger in den Wahlkreisen besetzt. Die andere Hälfte der Sitze wird nun aus den Listen der Parteien besetzt (Listenmandat). Dabei werden jeweils die Sitze abegezogen, die eine Partei bereits als Gewinner von Wahlkreisen erhalten hat. Wenn sie mehr Wahlkreise gewonnen hat, als ihr Sitze zustehen, behält sie diese Sitze trotzdem. Dies sind die sogenannten Überhangmandate.
  • Damit das Wahlergebnis durch die Überhangmandate nicht verzerrt wird, bekommen die anderen Parteien Ausgleichsmandate, bis die Zahl der Sitze dem Wahlergebnis aller Parteien wieder entspricht. Die führt zu einer Erhöhung der Zahl der Abgeordneten, derzeit 734 (Stand 2024).
  • Darüber hinaus muss jede Partei 5 % der Zweitstimmen erhalten (oder in drei Wahlkreisen Sieger sein), damit sie in den Bundestag kommt.

Wahlgrundsätze

  1. allgemein: Alle erwachsenen Staatsbürger (ab 18) dürfen wählen.
  2. unmittelbar: Es erfolgt eine direkte Wahl ohne Zwischeninstanz (z.B. Wahlmänner)
  3. frei: Niemand wird wegen seiner Stimmabgabe bevorzugt oder benachteiligt.
  4. gleich: Jede Stimme zählt gleich.
  5. geheim: Keine staatliche Stelle darf Erkundigungen einziehen, wie der Einzelne gewählt hat.

Aufgaben

  1. Nenne die fünf Wahlgrundsätze in Deutschland.

  2. Erkläre in eigenen Worten, was mit dem Wahlgrundsatz „unmittelbar“ gemeint ist.

  3. Warum ist der Grundsatz der geheimen Wahl wichtig für eine Demokratie?

Aufgabe

Die Parteien sagen in Wahlkämpfen: “Auf die Zweitstimme kommt es an.” Warum ist das so?

Aufgabe

Das Mehrheitswahlrecht führt meist zu einem Zweiparteiensystem. Erläutern Sie, warum das so ist.

Weiterführendender Artikel aus der Wiener Zeitung